Frohbotschaft erleben

Erstellt von LV Martin Pfleger |

Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz hat die folgenden Zeilen als Weihnachtsbotschaft für unsere NÖKB-Landeszeitung verfasst. Diese wollen wir auch den Lesern unserer Homepage, die nicht Mitglieder im NÖKB sind und damit keine Landeszeitung bekommen, nicht vorenthalten.

Frohbotschaft erleben
Weihnachten ist Erinnerung. Wir erinnern und feiern Jesu Geburt. Und wir erinnern uns immer auch an die vergangenen Weihnachten. Heuer ist ein in vielerlei Hinsicht besonderes Jahr. Wenn auch das, was wir zu Weihnachten feiern, in sich nicht anders sein wird, sind die äußeren Umstände doch verändert. Erinnerungen an vergangene Begegnungen müssen uns heuer jene soziale Energie geben, die uns durch reale Begegnungen fehlt. 

Ich wurde zuhause auf unserem abgelegenen Bauernhof geboren und nach mir noch vier weitere Geschwister. Wir kamen alle zuhause auf die Welt. Am Heiligen Abend haben meine Eltern die Stallarbeit immer früher verrichtet als sonst, aber das Warten aufs Christkind war für uns Kinder dennoch lange. Nach der Bescherung und dem Essen sind wir zur Christmette gefahren. Ich sehe heute noch den Atem vom Singen in der kalten Kirche. Die Lieder sind unvergesslich für mich. Tief in meiner Erinnerung sind so viele Weihnachtserfahrungen und -begegnungen meines Lebens. Unvergessen auch ein Weihnachtsfest auf dem Hirtenfeld im Heiligen Land vor vielen Jahren.  Es sind jene Lebenserinnerungen an Begebenheiten und Menschen, die mir heuer Kraft geben werden. 
Wir erinnern uns: In einem Stall wird ein Kind geboren. Seine Eltern fanden keine Herberge. Das Kind wird bestaunt und bewundert von Hirten. Heute noch feiern wir diese Geburt des Kindes von Betlehem. Es war Gott selbst, der in diesem Kind zur Welt kam. Das Kind kam von Gott und ist der Mensch gewordene Gott. Zu Weihnachten bekommt die Liebe Gottes nun im Kind von Betlehem ein Gesicht. Dieses Kind zeigt der Menschheit, dass Mensch-Sein weder berechenbar noch berechnend ist.
Die Feier des Heiligen Abends zählt zu den besonderen Erfahrungen im Leben, die sich in der Seele und im Herzen tief einschreiben. Gott hat uns mit dem Weihnachtsfest so etwas wie ein Weltkulturerbe geschenkt, das Gläubige wie Nicht-Gott-Verbundene gleichermaßen anzieht und einen Sehnsuchtsraum nach Leben und Liebe eröffnet. Gerade heuer braucht Weihnachten auch heilsame Erinnerungen an den menschgewordenen Gott und an Menschen in unserem Leben. Es braucht Menschen, die einander zusagen: Es ist gut, dass es dich gibt. Es ist schön, dass du auf der Welt bist. 

Ich wünsche Ihnen, gerade in einem Jahr so voller Ungewissheiten, die Gewissheit der Liebe Gottes, die zu Weihnachten ein Gesicht bekommt. Weihnachten ist mit dem Kind von Betlehem ein Herzensfest, das uns die heilsame Erinnerung daran sein soll, bedingungslos geliebt zu sein von einem Gott, der selber das Gesicht eines Kindes trägt.
 

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Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz